Kategorie: Tourismus

Hofkäse auf Hiddensee

Das Rote Haus Hiddensee

Hiddensee im Hochsommer, ist das der richtige Ort, um Hofkäse aus der Region zu verkosten? – Ja, warum nicht?

Touristen in Mecklenburg-Vorpommern freuen sich gemeinhin, wenn ihnen Erzeugnisse aus der Region angeboten werden. Doch in den Restaurants und Hotels in den Urlaubsgebieten des Bundeslandes sind sie leider viel zu selten auf dem Teller oder im Regal zu finden.

Am 28. und 29. Juli 2019 haben wir (Büro für kulinarische Maßnahmen) jeweils spätnachmittags eine „Käsereise durch Vorpommern“ unternommen. Die Käse haben an den Tagen davor auf den verschiedenen Höfen im nördlichen Vorpommern eingekauft.

Eingeladen hatte Das Rote Haus Hiddensee, neuestes Projekt des Landwirts und Gastronomen Mathias Schilling – Unternehmer des Jahres 2018 in MV und über die Region hinaus weithin bekannt. Mathias Schilling betreibt auf der kleinen Boddeninsel Öhe Rinderzucht und hat gemeinsam mit handwerklich arbeitenden Fischern die Initiative Hiddenseer Kutterfisch ins Leben gerufen; die Fischkonserven der Hiddenseer sind inzwischen in Feinkostgeschäften von Hamburg bis München zu haben. Schilling ist bestrebt, Fleisch und Fisch in mehreren gastronomischen Betrieben, die er vor Ort aufgebaut hat, zu verarbeiten und so die Wertschöpfung in der Region zu halten. Ein schlüssiges Konzept.

Das Rote Haus in Vitte auf Hiddensee war erst gut 14 Tage zuvor nach gründlicher Renovierung eröffnet worden. Das Restaurant wird derzeit von einer bekannten Köchin und Kochbuchautoren aus Berlin geführt. Das Küchenteam bietet über Sommer einen Mittagstisch an, am Abend wird das Haus zur Bar. Hinzu kommen Dinner-Abende, Lesungen und Konzerte.

Passenderweise wurden an den den Tagen der Käse-Tastings als Mittagstisch hausgemachte Gnocchis in Salbeibutter mit dem Küstenländer Hofkäse vom Alter Pfarrhof Elmenhorst und eine Sauerampfer-Suppe mit Frischkäse vom Ziegenhof Sievertshagen angeboten.

Obschon nicht so geplant, wollte der Zufall es, dass in der Verkostungsrunde ausschließlich Hofkäse aus dem östlichen Landesteil Vorpommern versammelt waren. Südlich von Stralsund, von wo aus man mit der Fähre nach Hiddensee ablegt, ballen sich einige Käsereien, die dem Verband für handwerkliche Milchherstellung e.V. (VHM) angehören.

Mit dabei waren:

Aperitif
Kefir, DorfSchäferei Palmzin
Rohmilchbutter, Hof Zandershagen

Frischkäse
Skör, Käserei SOS-Dorfgemeinschaft Grimmen-Hohenwieden
Frischkäse Gartenkräuter / Ziegenhof Sievertshagen

Feta-Art
Balkankäse französisch, DorfSchäferei Palmzim
Kuhta natur, Hof Zandershagen

Weichkäse
Schafbert und Bluebert, DorfSchäferei Palmzin
Hohenwieder Weichkäse, Käserei SOS-Dorfgemeinschaft Grimmen-Hohenwieden

Schnitt- und Hartkäse
Schnittkäse Gouda-Art natur, Hof Zandershagen
Rotweinkäse, Alter Pfarrhof Elmenhorst
Hartkäse Küstenländer Hofkäse, Alter Pfarrhof Elmenhorst

Dazu wurden passende Biere der Insel-Brauerei auf Rügen gereicht. Einige Gäste hatte eine alkoholfreie Getränkebegleitung gewünscht, was u.a. mit alkoholfreiem Bier von der Insel-Brauerei, hausgemachtem Kräutertee und Hopfen-Holunder-Limonade durchaus gelang.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer – allesamt Urlaubsgäste – waren ziemlich überrascht, eine so große Vielfalt an Hofkäsen aus dem Nordosten vorzufinden. Wer hätte das gedacht! Auffällig war außerdem, dass viele grundlegende Fragen zur Käseherstellung und zur Käsekultur gestellt wurden. Offensichtlich ist selbst bei Käse-Interessierten der Klärungsbedarf und Wissensdurst groß.

Für den 22. August 2019 ist im Roten Haus auf Hiddensee ein weiteres Käse-Event geplant: ein Käse-Dinner mit mehreren Gängen, bei dem Speisen mit ausgewählten Hofkäsen aus MV auf den Tisch kommen. Bis dahin werden allabendlich an der Bar im Roten Haus zu Bier, Wein und Cocktails Käsehäppchen aus Vorpommern gereicht.

Informationen und Anmeldung:
Das Rote Haus Hiddensee

Beteiligte Käsereien:
DorfSchäferei Palmzin
Hof Zandershagen
SOS Dorfgemeinschaft Grimmen-Hohenwieden
Ziegenhof Sievertshagen
Alter Pfarrhof Elmenhorst

Das Rote Haus Hiddensee

Das Rote Haus Hiddensee

Das Rote Haus Hiddensee

Immer dienstags: Regionalmarkt in Barth

Ketchup und andere Würzmittel im Glas

Die Halbinsel Fischland-Darß-Zingst ist bekannt für ihre gut besuchten Wochenmärkte, die über Sommer u.a. in Ahrenshoop, Dierhagen, Prerow, Wieck und Zingst stattfinden. Noch recht jung ist der Regionalmarkt in der Stadt Barth auf dem gegenüberliegenden Festland, in der Saison von Mai bis Oktober. Der Markt weist einige interessante Besonderheiten auf.

Der Regionalmarkt in Barth findet immer dienstags 10–14 Uhr auf dem zentralen Marktplatz statt, unmittelbar an der weithin sichtbaren St.-Marien-Kirche. Die Gründung geht auf einen Kreis von markterfahrenen und qualitätsbewußten Erzeugerbetrieben zurück, der seit 2018 auch den Regionalladen „Alte Gutsgärtnerei Parow“ bei Stralsund betreibt.

Auch im Falle des Regionalmarkts in Barth haben sich die Erzeugerinnen und Erzeuger vorab zusammengeschlossen und sind auf die Stadt zugegangen. Durch gemeinsames Agieren und im geduldigen Dialog mit der Stadtverwaltung und dem damaligen Bürgermeister Stefan Keith konnten sie ihre Vorstellungen hinsichtlich der Qualität des Angebots, der teilnehmenden Anbieter, der Öffnungszeiten, der Anordnung der Stände auf dem Marktplatz u.a.m. weitgehend durch- und umsetzen, so Michelle Rost von der Bio-Rösterei LandDelikat.

Es handelt sich in Barth um einen reinen Lebensmittelmarkt, der gelegentlich durch Kunsthandwerk ergänzt wird. Die berüchtigten Socken- und Miederhändler, Ramsch und Großmarktware sind tabu. Der Kreis der Initiatoren entscheidet demokratisch über die Teilnahme von neuen Anbietern, welche nach Qualitätsgesichtspunkten und im Hinblick auf ein vielseitiges Marktangebot ausgewählt werden. Im Grunde ist dies der Prinzip der Marktgilden, wie es sie früher schon in Städten gab.

Aus Sicht der Initiatoren lief der Barther Regionalmarkt bereits im ersten Jahr sehr erfolgreich. Der Markt wird nicht nur von Touristinnen und Touristen, sondern auch von Einheimischen sehr gut angenommen.

Wichtig für die Entwicklung war, so Michelle Rost, die Erfahrungen laufend auszuwerten, Veränderungen und Anpassungen sofort praktisch in Angriff zu nehmen und flexibel auf Schwächen wie Stärken zu reagieren. So konnte das Angebot in hoher Qualität, ohne Verwässerung, auf die Bedürfnisse verschiedener Zielgruppen hin ausgestaltet werden. Die Selbstverwaltung des Marktes zeitigt hier eindeutig bessere Ergebnisse als die Marktorganisation durch eine überforderte Stadtverwaltung oder durch den Großmarkt Rostock, wie in vielen Gemeinden der Region üblich. Davon konnten wir uns bei unserem Besuch im Juni überzeugen.

Das Beispiel Barth könnte eine Blaupause für weitere Städte und Gemeinden in Mecklenburg-Vorpommen sein, die mit regelmäßigen, qualitätsorientierten Frischemärkten attraktive Einkaufsmöglichkeiten für ihre Bürgerinnen und Bürger in Ergänzung zu den Discountern und Supermärkten schaffen und dadurch nicht zuletzt die regionale Wirtschaft fördern wollen. Zusammenschlüsse und die Selbstorganisation von Erzeugerbetrieben und Händlern sollten dabei gezielt gefördert werden.

Letzter Markttag in Barth ist übrigens der 29. Oktober 2019 – Zeit genug, um dem Regionalmarkt über Sommer einen Besuch abzustatten. Die Stadt Barth ist durch die Bahn von Stralsund und Rostock aus auch ohne Auto gut angebunden (Umstieg in Velgast). Von Barth aus ist auch die nahegelegene Ostseeküste mit ihren Seebädern und Stränden per Regionalbus (teils mit Fahrradanhänger) und per Schiff schnell erreichbar.

Weitere Märkte auf Fischland–Darß–Zingst (Auswahl)

Regionalmarkt BarthRegionalmarkt BarthRegionalmarkt BarthRegionalmarkt BarthRegionalmarkt Barth

 

Eindrücke vom 3. Norddeutschen Ernährungsgipfel

Strand in Warnemünde mit Strandkörben

„Ernährungsgipfel“ – das klingt vielversprechend. Ernährung ist wichtig und geht alle an. Denn was wir essen und wie es produziert wird, hat massive Auswirkungen auf unsere Gesundheit, auf die Umwelt, auf die Tiere, und es entscheidet mit darüber, ob die Menschheit die Klimakrise bewältigen kann.

Gleich vorweg: Vom Klima war beim 3. Norddeutschen Ernährungsgipfel nicht die Rede, mit einer Ausnahme. Doch der Reihe nach.

Eingeladen hatte die Marketinggesellschaft der Agrar- und Ernährungswirtschaft Mecklenburg-Vorpommern e.V., kurz: AMV Marketinggesellschaft, ins Hotel Neptun in Rostock-Warnemünde, mit Blick auf den Strand und die Ostsee. Der Norddeutsche Ernährungsgipfel wurde gemeinsam mit Partnern aus Hamburg und Brandenburg ausgerichtet. Was genau das Thema der Veranstaltung sein sollte, erschloss sich im Vorfeld nicht so richtig. Um was sollte es gehen? Um Online-Vermarktung, um Regionalprodukte, um den Lebensmitteleinzelhandel?

Die erste Gastrednerin war Hanka Mittelstädt, Vorstandsvorsitzende des Marketingverbands Proagro e.V. in Brandenburg. In der Rede klang an, dass man erst jetzt so recht erkannt habe, welche Absatzchancen die Millionenstadt Berlin im Herzen des Bundeslandes bietet. Es gäbe allerdings in Brandenburg kaum Verarbeitungsstrukturen für Lebensmittel, so Mittelstädt. Tatsächlich geht in dem Bundesland fast alles, was vom Acker oder aus dem Stall kommt, direkt in den Export (im Norden sagt man: über die Hafenkante). Regionales Bio-Gemüse, seit Jahren in Berlin sehr stark nachgefragt, wird in ganz Brandenburg auf weniger als 300 Hektar angebaut, eine Fläche kleiner als der alte Flugplatz Tempelhof in Berlin. Immerhin beginne die Förder- und Strukturpolitik des Landes, so Mittelstädt, sich nun stärker auf den regionalen Markt zu fokussieren.

Unter den nächsten Gastrednern waren die Landesminister Till Backhaus (Landwirtschaft, Umwelt) und Harry Glawe (Wirtschaft, Tourismus). Beide würdigten ausdrücklich die Bedeutung der kleinteiligen Lebensmittelwirtschaft in MV: die Kleinproduzenten, Familienbetriebe, bäuerliche Erzeuger, Manufakturen, das Lebensmittelhandwerk, Hofläden und Regionalläden, wo die typischen Regionalprodukte hergestellt und vertreiben werden.

Die kleineren Produzenten und ihre Qualitätsprodukte bringen „Tradition und Gegenwart“ in der Region zusammen, stellte Backhaus fest. Regionalprodukte seien nicht nur ein bedeutender Faktor für den Tourismus, sondern auch für die hier lebenden Menschen wichtig, betonte Glawe. Gleichzeitig klang in der anschließenden Diskussion durch, dass bislang die kleinteilige Lebensmittelwirtschaft unterschätzt, das Potenzial zu wenig genutzt wurde.

Schließlich hat auch die AMV Marketinggesellschaft erst kürzlich damit begonnen, sich den kleineren Produzenten und Produzentinnen im Land zuzuwenden. Mit dem Ernährungsgipfel sollte nun das Versäumnis im Schnelldurchlauf nachgeholt werden. Und – Überraschung! – die AMV hatte auch gleich zwei Patentlösungen parat. Die Kleinerzeuger, Manufakturen und das Lebensmittelhandwerk sollen sich in Zukunft einfach mehr über den Lebensmitteleinzelhandel (LEH) und online vermarkten.

Darauf folgte ein professionell durchchoreografierter Auftritt einer Expertin und eines Experten aus einem Marktforschungsinstitut, die dem Publikum die neusten Trends aus der Welt der großen Handelsketten Edeka, Rewe, Lidl & Co näherbrachten. Da war viel von Gewinnern und Verlierern, Marktanteilen, Supermarktisierung, neuartigen Ladenkonzepten, Regalaufbauten, Sortimentsbereinigung, Authentizität und Convenience in unschönen Plastikverpackungen die Rede.

Im Anschluss hieran verließen die ersten, durchaus namhaften Inhaber und Inhaberinnen von Manufakturen in MV den Ernährungsgipfel.

Weiter ging es mit Vorträgen von Vertretern von Rewe und einer Discouterkette. Denkwürdig der Auftritt des Rewe-Managers: Wortreich versuchte er, potenziell anwesenden Kleinproduzenten die Angst vorm Supermarkt zu nehmen. Alles easy, Partnerschaft auf Augenhöhe. Wer die Branche kennt, der weiß jedoch, wie die Ketten mit ihren Lieferanten umspringen, weiß um die erbarmungslose Preisdrückerei, der Kampf um die Zehntelmargen, das Reinreden in die Produkte bis in die Rezepturen und Verpackungen. Besser, man hat noch weitere Vertriebsstandbeine, um im Notfall nicht abhängig zu sein. Dass er mehrfach paternalistisch und von oben herab über seine „Schützlinge“ herzog, die teils nicht einmal in der Lage seien, ein Fax richtig zu versenden oder eine Mail zeitnah zu beantworten, das war dem Rewe-Mann wohl gar nicht bewußt.

Klar wurde einmal mehr: die Handelsketten gieren nach Regionalität. Sie versprechen sich davon Glaubwürdigkeit und Erdung, welche die Nahrungsindustrie ihnen nicht liefern kann, allen Bemühungen zum Trotz.

Tatsächlich ignoriert die Empfehlung, in den LEH zu gehen, alle Erfahrungen und Erkenntnisse über die Vermarktung von Lebensmitteln aus kleinbäuerlicher Herstellung, aus Manufakturen und dem Lebensmittelhandwerk. Hier geht es vor allem um Direktvermarktung B2B und B2C, um Hofläden, Regionalläden, Feste, Markthallen, Wochenmärkte und Lieferkisten. Dafür gibt es bereits viele fantastische Beispiele im Land, die unterstützungswürdig sind und ausbaufähig. Für die meisten dieser Produzenten ist der Gang in den Supermarkt kein attraktiver Deal. Er widerspricht oft sogar ihrem Verständnis von Qualität und Produzentenethos. Wenn dennoch im Einzelfall der LEH als Vertriebskanal hinzukommt, umso besser.

Im Hinblick auf den Online-Handel ist es wenig zielführend, wenn jeder einzelne Kleinproduzent seinen Shop aufzusetzen versucht. Die dazugehörigen Pflege- und Marketingleistungen können diese Unternehmen kaum erbringen oder bezahlen. So richtig voran könnten die Produzenten und die Regionalprodukte kommen, wenn sich mehr Erzeugernetzwerke im Land bilden, wenn attraktive Zielgruppen- und Regional-Portale entstehen, die mit dem Tourismus verknüpft und dann mit Köpfchen und Power vermarktet werden. Das setzt voraus, dass die Politik die Beteiligten an einen Tisch holt, Strukturbildung unterstützt, Kooperation und Netzwerke belohnt. Dies könnte auch eine sinnvolle Aufgabe für eine AMV Marketinggesellschaft sein.

Die AMV Marketinggesellschaft selbst muss sich weiterentwickeln, damit sie künftig tatsächlich die Interessen nicht nur der großen Agrarbetriebe, Nahrungshersteller, Verpackungs-, Handels- und Logistikdienstleister, sondern auch die Vielfalt und Vielzahl der kleineren, kreativen und qualitätsorientierten Produzenten im Land repräsentieren kann.

Zu den Standards moderner Konferenzen zählt heute auch eine gute Verpflegung. Hier war der Norddeutsche Ernährungsgipfel leider kein Vorbild. Viel zu viel Fleisch, Wurst, billige Backwaren und Süßes, wenig Obst und Frisches, und tatsächlich nicht ein einziges vegetarisches Gericht. Eine zeitgemäße, klimaverträgliche und gesundheitsfördernde Ernährung sieht anders aus. MV ist bekanntlich das Bundesland mit den übergewichtigsten Bürgerinnen und Bürgern – ein Riesenproblem. Hier könnte ein Ernährungsgipfel künftig Akzente in Richtung gesunder Ernährung setzen.

Apropos Klima. Agrar und Ernährung sind bekanntlich noch bedeutender für die Klimakrise als beispielsweise der Verkehrssektor. Wäre es da nicht gut, wenn bei einem Ernährungsgipfel, der seinen Namen verdient, auch dieses drängende Zukunftsthema eine Rolle spielte?

Der gewitzte Till Backhaus muss dies alles im voraus gewusst haben. Unvermittelt hellte sich des Ministers Miene auf, als er erwähnte, dass er sich mit der Klimaschutz-Bewegung „Fridays for Future“ getroffen und mit den Jugendlichen einen landesweiten „Rat für Nachhaltigkeit und Umwelt“ vereinbart habe. Dafür gab es vom Publikum Applaus auf offener Szene. – Also, geht doch!

Weniger Plastik, gut für’s Meer

Vorstellung der Kampagne Weniger fürs Meer

Plastik im Meer ist ein Thema, das viele Menschen bewegt, auch im Urlaub. Für Fische, Meeressäuger und Vögel ist der Abfall eine tödliche Gefahr, und auf Umwegen durch die Nahrungskette gelangen schädliche Partikel auch zurück zum Menschen. Auch der Strandtourismus kämpft mit dem Plastikmüll und anderen giftigen Hinterlassenschaften, wie z.B. den Zigarettenstummeln, die oft genug ebenfalls im Wasser landen.

Der Tourismusverband und die Tourismuszentrale Rügen, das Biosphärenreservat Südost-Rügen und die Stadt Stralsund haben nun die Initiative ergriffen und wollen in einer gemeinsamen Kampagne den Plastikmüll eindämmen – und setzen dabei auf die aktive Mitwirkung der Urlaubsgäste. Diesen soll ein umweltfreundliches Verhalten leichter gemacht werden und Spaß machen. „Weniger fürs Meer“ heißt das Projekt, das anlässlich der 1. Tourismusbörse Rügen am 10./11. Mai 2019 in Putbus vorgestellt wurde.

„Weniger fürs Meer“ setzt auf Bewußtseinsbildung als wichtige Komponente für mehr Küsten- und Meeresschutz. Entscheidender aber sind die vorgenommenen Investitionen, die das Projekt langfristig tragen und wirksam machen sollen. Mittel aus dem Programm Land(auf)Schwung des BMEL sind hier einmal sinnvoll angelegt.

  • Ein kleiner, mobiler Aschenbecher, „Kippenkiller“ genannt, soll die Flut der Zigarettenreste an den Stränden minimieren. Das runde Döschen lässt sich dicht verschließen, kann leicht in der Hosentasche mitgenommen werden, und wird bei den Kurverwaltungen kostenlos erhältlich sein.
  • Das bereits anderswo vielfach bewährte Recup-Pfandbechersystem wird nun auch auf Rügen und in Stralsund in Zusammenarbeit mit Partnern wie Bäckereien und Cafés flächendeckend eingeführt. Kundinnen und Kunden erhalten gegen 1 Euro Pfand den Recup-Becher beim Kauf eines Coffee to go. Der Becher kann mitgeführt, immer wieder genutzt oder beim nächsten Kaffeekauf gegen einen neuen Becher ausgetauscht werden. Gemeinsam mit Stralsund plant der Tourismusverband eine regionale Special Edition des Bechers.
  • Um Einweg-Wasserflaschen aus Plastik zu vermeiden, wurde eine schicke Trinkflasche aus Biokunststoff kreiert. Die „Buddel Buddy“ kann bei den Kurverwaltungen käuflich erworben werden und bei Refill-Partnern immer wieder kostenlos aufgefüllt werden.
  • In der Gemeinde Sellin verleiht eine Schülerfirma aufgearbeitete Strandutensilien aus Kunststoff wie z.B. Buddelsachen für Kinder an die Feriengäste, die diese nach Gebrauch zurückgeben statt sie in den Müll zu entsorgen oder gar am Strand zurückzulassen. Ein Modell, das Nachahmer finden sollte.
  • Geplant ist ferner ein Sammelbeutel aus verrottbarem Stärkematerial, der Touristinnen und Touristen motivieren soll, ihren Müll oder am Strand aufgefundene Plastik- und Verpackungsreste einzusammeln und in der Ferienwohnung oder im Hotel zu entsorgen.

Alle Angebote werden ab dem „Weltumwelttag“ am 5. Juni 2019 auf der Insel verfügbar sein.

Die Tourismusbörse zeigt, dass Nachhaltigkeit ein Thema mit wachsender Bedeutung im Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern ist. Nachhaltigkeit ist Teil einer Qualitätsstrategie für den Tourismus, die die Region dringend braucht. Der Tourismusverband und die Tourismuszentrale Rügen haben einen bemerkenswerten Schritt in die richtige Richtung getan.

Bei der Rügener Tourismusbörse präsentierten sich zahlreiche Anbieter, Verbände und Initiativen, die für nachhaltige, klimafreundliche, naturnahe, sozial- und umweltverträgliche sowie barrierearme Tourismusangebote und Freizeitaktivitäten stehen – davon gibt es durchaus eine ganze Reihe in der Region, und es müssen in den nächsten Jahren noch viel mehr werden.

Weitere Informationen zu „Weniger fürs Meer“
Hashtag #wenigerfürsmeer

Tourismusbörse Rügen Putbus 2019

Baltic Sea Soulfood

Wo die hölzerne Strandpromenade des Seebads Altefähr im Süden Rügens endet, liegt das Strandhaus. Mit Blick auf den Strelasund, Boote mit weißen Segeln und die Hansestadt Stralsund. Hier ist alles Wasser, Wind und nordisches Licht. Inhaber Michael Mackels kommt aus der Sternegastronomie, war zuletzt Küchenleiter im Berliner Vau. Sein »Baltic Sea Soulfood« ist bewusst niedrigschwellig, dabei souverän arrangiert: Blumenkohl mit Estragon und Kapern, Tomatensalat mit Pernod und Fenchel, Altefährer Strandlachs mit Rösti und Meerrettich, Kabeljau-Bulette mit Senf-Dill-Creme, Grünkohl mit geräuchertem Meersalz und Panch Phoron. Fisch und Fleisch – sommers aus dem Kamado (Keramik-Grill) auf der Terrasse – werden auf Holz oder Stein serviert; Gemüse, Suppen und Salate in Weckgläsern. Das passt! Hausgemachte Kuchen und Eis laden auch nachmittags ein, Kinder sind gerne gesehen.

Strandhaus Altefähr, Strandpromenade 10, 18573 Altefähr, Tel. 038306 624 50

Der Text ist in der Berliner Gastrozeitung EssPress, Ausgabe Dezember 2018, erschienen. 

Kochkunst, regional verwurzelt

Nach einem Spaziergang über die hölzerne Zugbrücke empfängt einen das Büttner’s direkt am Hafen des früheren Fischerorts Wieck am Greifswalder Bodden. Nach Stationen in Berlins Spitzengastronomie und auf Usedom haben Antje und Ines Büttner vor neun Jahren ihr mittlerweile mit 15 Gault-Millau-Punkten ausgezeichnetes Restaurant eröffnet. Naturverbunden und modern ist die Küche. Und außergewöhnlich stark regional verwurzelt: Fisch, Fleisch, Wild, Kräuter kommen von Partnern aus der Umgebung, Gemüse aus dem eigenen Garten, Zitronen von der Sonnenterrasse. Käse, Brot, Pasta und vieles mehr ist hausgemacht. Ausgewählt werden kann aus verschiedenen Menüs mit drei bis fünf Gängen, auch eine freie Zusammenstellung ist möglich, vegetarisch und vegane Alternativen machbar. Highlights: frische Pasta mit Feigen und gehobeltem Camembert und zarter Gin-Lachs mit Tonic-Gurken. Von der hauseigenen Brotauswahl zu Beginn bis zu den selbstgemachten Keksen am Ende, begleitet von einer Auswahl an außergewöhnlichen deutschen und italienischen Weinen – ein runder Genuss.

Büttner’s Restaurant & Appartements, Am Hafen 1a, 17493 Greifswald-Wieck, Tel. 03834 8870737; im Haus zwei Ferienappartements für 2 bis 4 Personen

Der Text ist in der Berliner Gastrozeitung EssPress, Ausgabe Dezember 2018, erschienen. 

Meer macht durstig

Ob Einheimischer oder Besucherin, ob Segelfreak oder wasserscheu, ob nachmittags oder am Abend, ob jung oder älter – man trifft sich im Wasserstoff, Stralsunds einziger Bar mit Segelmacherei. Von Philipp Kleemann und Arne Möhring (MVs bester Segelmacher-Azubi!), jungen, experimentierfreudigen Gastronomen mit Bewusstsein für Nachhaltigkeit und Herkunft, vor knapp einem Jahr eröffnet. Man sitzt an der Bar, blickt aufs Ozeaneum auf der Hafeninsel, schnackt, spinnt Seemannsgarn, trinkt einen Kaffee von der lokalen Kaffeerösterei Monopol, ein Bier der Stralsunder Störtebeker-Brauerei oder einen frisch zubereiteten Cocktail, gerne mit Spirituosen von der Küste, wie Försters Heide Gin von Männerhobby aus der Nähe von Rostock oder Luv & Lee aus Hamburg.

Ab nächstem Frühjahr lässt es sich von dort zum neuesten Projekt der Jungs am Fährhafen schlendern: Fährtrade – Dein Laden für Regionales. Schöne Aussichten!

Wasserstoff, Badenstraße 24/25, 18439 Stralsund, Tel. 03831 225 85 65; Übernachtungstipp: Hotel Hafenspeicher Stralsund, www.hafenspeicher.com

Der Text ist in der Berliner Gastrozeitung EssPress, Ausgabe Dezember 2018, erschienen. 

Die ganze Welt der Inseln

Wenn man selbst auf einer Insel lebt, was liegt näher, als alle anderen Inseln zu sich einzuladen? Und zwar nicht nur die nahen, sondern auch die fernen. Dahlmanns Bazar in der weißen Altstadt von Sassnitz auf Rügen, 100 Meter vom Meer, ist Buchhandlung, Bistro und Kontor zugleich. Hier finden wir die besten Insel-Schokoladen aus São Tomé e Príncipe und Madagaskar, Weine aus Sizilien und Sardinien, Kaffee aus Papua-Neuguinea, Spirituosen, Kapern, Oliven, Öle, Salz u.v.m. Und Literatur von und über Inseln aus allen Himmelsrichtungen, eine gut sortierte Bücherfülle.

Abseits des touristischen Rummels ist dies ein Ort der Besinnlichkeit, kulturellen Inspiration und kulinarischer Genüsse. Zu Letzteren zählen Kleinigkeiten wie Feta in Olivenöl aus dem Ofen, Tapas und Gemüsecremes oder knusprige süße Tartelettes mit Quark und frisch-säuerlichem Sanddorn. Und der wohl beste Espresso der Insel.

Dahlmanns Bazar, Am Alten Markt, Uferstraße 1, 18546 Sassnitz/Rügen, Tel. 038392 67 74 76;
Übernachtungstipp: Villa Martha, Sassnitz

Der Text ist in der Berliner Gastrozeitung EssPress, Ausgabe Dezember 2018, erschienen. 

Genussvolle Touren im nördlichen Vorpommern

Zu Fuß oder mit dem Rad in Nordvorpommern unterwegs – und genussvolle Pausen in Hofläden und Cafés einlegen. Erholung pur! Eine Anfang 2019 neu erscheinene Broschüre des Umweltbüro Nord e.V. enthält 16 sorgfältig ausgesuchte, erprobte Touren, davon zwei auf Rügen. Mit vielen Informationen zu Pflanzen, Sehenswürdigkeiten, Regionalprodukten und Öffnungszeiten. Wobei die An- und Rückfahrt mit Bahn oder Bus erfolgten; die Verbindungen sind jeweils angegeben.

Genusstouren in Nordvommern 2019
Rad- und Wandertouren zu besonderen Cafés
Kostenloser Download (PDF) 

Vorne die Ostsee

»Vorne die Ostsee, hinten die Friedrichsstraße.« – Ja, das wünscht sich der Berliner, wie bereits Kurt Tucholsky wußte. Das hierzu passende »saisonale Magazin« des Berliner Tagesspiegel-Verlags ist seit März 2018 neu am Kiosk. Nett aufgemacht, kurzweilig und unterhaltsam.

Lesenswert das Rostock-Porträt von Grit Thoenissen, ebenso »Kutter bei die Fische«von Daniela Martens, eine Ausfahrt mit einem Wismarer Fischer, und die Radtour von Barbara Schaefer in der Region Fischland-Darß-Zingst. Eher oberflächlich hingegen das Interview mit dem Spitzenkoch Tillman Hahn in Kühlungsborn. Überhaupt: kulinarisch hätte man viel mehr machen können.

Die eingestreuten Advertorials, die das Heft finanzieren, sind leider von sehr unterschiedlicher Qualität, je nach Auftraggeber. Die mecklenburgischen Ostseebäder schalten praktisch Kleinanzeigen, Stralsund bemüht die Edelfeder Erwin Seitz, die Selbstdarstellung der Brauerei Störtebeker wirkt sich wie von einem Praktikanten aus der Marketingabteilung verfasst. Wenn schon redaktionell anmutende Werbung, dann hätte hier eine intensivere Betreuung gut getan.

Das Heft ist von West nach Ost in vier Urlaubsregionen gegliedert. Dabei fällt auf, dass die Tipps und Beiträge über die östlichen Küstenregionen vergleichsweise erratisch sind und inhaltlich zurückbleiben. Wie es scheint, ist in den Augen der Magazin-MacherInnen der Osten vor allem Schauplatz kurzweiliger Familien-, Sport-, Strand- und Sonnenurlaube. Kulinarik, Geschichte(n), Kunst, Kultur sind eher dem Westen des Landes zugeordnet. Der Osten wird gerne als Naturreservat gesehen.

Das ist schade und sollte die verantwortlichen Tourismusmanager nachdenklich machen. Spannende Persönlichkeiten, inspirierende Geschichte und Geschichten gibt es auch in der östlichen Küstenregion zuhauf, man muss sie nicht einmal groß suchen. Aber man muss sie wollen.

Magazin Tagesspiegel Ostsee 2018, ca. 146 Seiten, 9,80 Euro, verfügbar auch als E-Paper